Fischereiliche Bewirtschaftung unserer Thur
Jährlich werden unzählige Mann-Stunden in die fischereiliche Bewirtschaftung der Thur investiert. Um die Art dieser Arbeit aufzuzeigen und vielleicht auch mehr Interesse für diese Tätigkeit zu wecken, möchten wir Ihnen einen kleinen Einblick in die Bewirtschaftung geben.
Wieso wird Bewirtschaftet?
Leider gibt es immer mehr Ursachen für die stetige Abnahme des Fischbestandes in den Schweizer Gewässern. Lebensraumbeeinträchtigungen und Verbauungen, Gewässerverschmutzungen, Hormone im Wasser, Rückgang der Naturverlaichung, Industrialisierung, Befischungsdruck, Sunk und Schwall, Freizeitnutzung, Erderwärmung, etc, sind nur einige der Gründe dafür, dass auch wir an unsere Thur einen Fischrückgang feststellen müssen.
Um diesem Rückgang entgegen zu wirken, bewirtschaften wir die Thur. Der Fokus der Bewirtschaftung richtet sich dabei auf die einheimischen Bachforellen und Äschen. Das Ziel der Bewirtschaftung durch einheimischen Besatz ist es, die Eigenfortpflanzung zu unterstützen.
Aufzuchtbäche
Der Fischerverein Thur verfügt über sieben Aufzucht- und Seiten-Bäche, die alle in die Thur fliessen. Der Grundgedanke dahinter ist, dass die Forellenbrütlinge, welche in der kantonalen Fischbrutanlage Rorschach ausgebrütet werden, nicht sofort nach dem Schlüpfen in die Thur, sondern in einem Seitenbach, dem so genannten Aufzuchtbach, eingesetzt werden. Die Brütlinge wachsen dort in natürlicher Umgebung zu starken Jungfischen heran. Bachforellen ernähren sich hauptsächlich von Wasserinsekten und teils von Landinsekten, welche die Bäche anschwemmen. Die Aufzuchtbäche werden im Frühling mit Bachforellenbrütlingen bestückt. Jeweils im darauf folgenden Herbst und im nächsten Frühling werden die Aufzuchtbäche elektrisch abgefischt. Nach der Entnahme vom Bach werden die Fische sofort in einen Transportbehälter zwischengehältert, welcher mit Sauerstoff angereichertes Bachwasser enthält. Je nach Besatzstrategie des Bewirtschafters werden die Fische dann an unterschiedlichen Stellen in die Thur eingesetzt.
Die Elektrofischerei ist eine nicht ungefährliche und bewilligungspflichte Fangmethode für Bestandes- und Kontrollabfischungen und darf nur von gut geschulten Personen und unter strengen Sicherheitsrichtlinien angewendet werden! Dabei wird der Fische im Wasser einem elektrischen Feld ausgesetzt, wodurch der Fisch angezogen, für kurze Zeit betäubt und vorsichtig gefangen werden kann.
Für die Natur
Unsere Aufzuchtbäche und die Thur werden nicht nur zum Abfischen genutzt. Es ist uns ein Anliegen, dass die von uns gepachteten Gewässer auch gesäubert werden. Unsere Bewirtschaftungshelfer und Bachverantwortlichen kontrollieren, säubern und pflegen unsere Bäche. Leider müssen wir immer wieder herbe Bachvergiftungen in Kauf nehmen, weil gedankenlose Mitmenschen unsere Gewässer als "Chemieentsorgungsstelle" benutzen. Einmal jährlich führen wir vom Fischerverein Thur auch eine „Thurputzetä“ durch. Dabei sammeln die Mitglieder an einem Tag durchschnittlich zwei bis drei Tonnen Abfall aus der Thur.
Wertschätzung der Kreatur „Fisch“
Die Bewirtschaftung alleine wird den Fischrückgang nicht stoppen können. Wir Fischer sind ebenfalls verantwortlich dafür, dass wir auch in der Zukunft unsere Flüsse mit einem guten Fischbestand antreffen können. Unser Verein bezieht Jugendliche in die freiwillige Bewirtschaftungsarbeit mit ein. Es ist uns wichtig, das auch unsere Jungfischer die Kreatur Fisch und den ganzen Lebensraum Wasser wertschätzen lernen und sehen, welche Arbeit hinter der Bewirtschaftung steckt. Wir staunen mit welcher Einstellung die Jugendlichen nach einem anstrengenden Bewirtschaftungstag an die Thur fischen gehen. Sie gehen danach nicht mehr „einfach an die Thur“ und es ist für sie nicht mehr selbstverständlich, einen schönen Fisch an der Angel zu haben. Denn jetzt wissen sie: Es steckt viel mehr hinter dem ganzen Fischen als viele Leute sich vorstellen!
Fischereiverein Thur
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